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Frauennetzwerk will Frauengeschichte sichern

Das Frauenetzwerk in der StädteRegion feiert 2018 sein 25-jähriges Bestehen. Der Zusammenschluss von Frauenorganisationen in der Region will die Geschichte anlässlich des runden Geburtstages dokumentieren. So wurden zur „Sommerversammlung“ die Frauen der ersten Stunde eingeladen, um den 35 interessierten Gästen einen lebendigen Einblick in den Aufbau dieses starken Netzwerkes zu geben.


Zum Start erläuterte Bettina Bab aus dem Frauenmuseum Bonn, Mitglied im Kölner Frauengeschichtsverein die Bedeutung von Frauengeschichte und die Notwendigkeit, sie zu dokumentieren. Der interessante Abriss durch die Geschichte bedeutender Frauen in den letzten Jahrhunderten war ein gelungener Einstieg in die Interviewrunde mit den „Gründerfrauen“.

 

Sibylle Keupen, Vorsitzende des Frauennetzwerkes in der StädteRegion, moderierte die Runde zu der Liesel Gatzemeier und Elisabeth Geusen eingeladen waren. Sie waren beide im Vorstand des Frauenausschusses, der direkt nach dem Krieg gegründet wurde und ein erstes überparteiliches Netzwerk von Frauen in der Region war.

 

Bereits 1945 haben sich Frauen aus Verbänden, aber auch aus dem privaten Bereich zusammengetan, um für ihre Rechte einzustehen. Das Hauptmotiv war die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln an die Bevölkerung. Der illegale Handel florierte. Die Essensverteilung der Alliierten kam nicht dort an, wo sie am dringendsten benötigt wurde. Die Bildung solcher Frauenausschüsse war politisch gewünscht, denn sie machten auf die Missstände aufmerksam. Themen waren unter anderen die Schulspeisungen für Kinder und die Verteilung von Kleidern und Heizmaterial für kalte Winter.


Im Verlauf der Zeit wurden immer wieder Tabu-Themen vom Frauenausschuss aufgegriffen.
In Folge der Diskussionen um den Paragraph 218 Strafgesetzbuch entwickelte sich die Arbeit des Frauenausschusses stark weiter. Beschäftigte sich der Ausschuss in seinen Anfängen noch mit einer gerechteren Lebensmittelversorgung, widmete er sich zunehmend weiteren politischen Themen. 1987 veranstaltete die Partnerstadt Naumburg eine Informationsveranstaltung an der 27 Vertreterinnen von 17 Frauenorganisationen teilnahmen.

 

1993 stand wegen der Ostauflösung eine Verfassungsänderung in Deutschland an. Der Frauenausschuss stellte den Antrag Frauenrechte in die Verfassung aufzunehmen.

 

1995 feierte der Frauenausschuss 50-jähriges Bestehen. Im November gab es eine große Jahresfeier im Aachener Krönungssaal. 450 Frauen kamen zu dieser Veranstaltung.

 

Anfang der 1990er Jahre reisten die Gründungsmütter des Frauennetzwerkes Marianne Krott und Marion Moss, die ebenfalls an der Gesprächsrunde teilgenommen hatten, viel umher, um die Frauen zu mobilisieren, sich zusammen zu tun. Sie wollten ein Netzwerk aus verschiedenen Frauen-Organisationen gründen, um sich über politische Themen und vor allem über die Gewalt gegen Frauen auszutauschen.

 

Das Besondere des Frauennetzwerkes war, dass ihre Mitglieder nicht nur autonome und emanzipierte Frauen waren, sondern auch emanzipierte Frauen aus der IHK und Handwerkskammer politisch aktiv sein wollten.

22 Jahre existierten Frauenausschuss und Frauennetzwerk nebeneinander, bis sich zum 60. Jahrestag 2005 der Frauenausschuss auflöste, um sich mit dem Frauennetzwerk zusammenzutun. Durch die Fusion der beiden Institutionen sollte der politische Einfluss gestärkt werden.

 

Zum Abschluss einer gelungenen Veranstaltung im KuKuk an der Grenze formulierten die eingeladenen Frauen noch eindrucksvoll Wünsche an die Zukunft des Frauennetzwerkes, die diese gerne in die Agenda für das bevorstehende Jubiläum aufnimmt.


Elisabeth Geusen forderte die anwesenden Frauen auf: „Seid wachsam für Themen, die für uns Frauen gefährlich werden können oder Frauen in die Ecke stellen oder die vergessen werden. Habt den Mut darauf hinzuweisen! Es ist wichtig, dass wir auch in Zukunft für die Frauenrechte eintreten."

Marianne Krott wünscht mehr Wertschätzung für die Kämpferinnen der Frauenrechte: "Diese Frauen mussten früher sehr mutig sein, um die Dinge durchzusetzen, auf die wir heute zurückgreifen. Diesen Frauen müssen wir beistehen und sie bei ihren Forderungen unterstützen."

 

Sommer 2017 Publikum

 

 

Sommer 2017 Podium

 

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