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Jenseits von Rechts: Alle demokratischen Kräfte sind jetzt gefordert

200 Frauen und Männer diskutierten in der Aachener Citykirche den wachsenden Erfolg und Einfluss von Rechtspopulisten

 

Zwei Wahlen stehen 2017 an: zum Landtag im Mai und zum Bundestag im September. Die Töne, die bereits jetzt im Wahlkampf angeschlagen werden, lassen wenig Gutes erwarten. So werden zum Beispiel Minderheiten diskriminiert und politische Konzepte zu ihrer Ausgrenzung stark gemacht.
Mehr noch: Im Windschatten dieses Getöses zieht ins eine Programmatik ein, die ein Zurück zur Gesellschaft der 50-er Jahre bedeutet. Längst überwunden geglaubte Vorstellungen zu den Rollen von Frau und Mann werden da laut, auch zur Entwicklung und Erziehung von Kindern.

 

Zeit, sich damit intensiv zu beschäftigen, sollen demokratisch erarbeitete Errungenschaften der letzten Jahre und Jahrzehnte für die Gleichstellung von Frauen und Männern nicht unter die Räder kommen. Dieser Auffassung sind auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Aachen und das Frauennetzwerk der StädteRegion Aachen und luden zur Diskussion am Abend des Weltfrauentages am 8. März in die Aachener Citykirche ein.

 

Als nachdenklicher Impulsgeber fungierte vor 200 Gästen der Aachener Sprachforscher Prof. Dr. phil Thomas Niehr von der RWTH Aachen. Er plädierte für einen anständigen demokratischen Diskurs. Darunter versteht er, bei aller Kritik in der Sache das populistische Gegenüber respektvoll zu behandeln - sei es ein Parteipolitiker, sei es ein besorgter Bürger. In sachlicher Auseinandersetzung liege die Chance, die Rechtspopulisten zu entzaubern, alles andere sei kontraproduktiv.

Dem wollten sich die Parteipolitikerinnen, die am Podium standen, nicht verschließen. In den meisten Fragen, die Frauen und Familien betreffen, ziehen sie an einem Strang. Punkte wie Entgeltgerechtigkeit, Gleichstellung auch bei Führungsaufgaben, durchlässiges Bildungs- und Berufswesen und Vermeidung von Altersarmut treiben sie gemeinsam um. Umso mehr wollen sie sich rückwärtsgewandten Ideen entgegenstellen, sagte Landtagsabgeordnete Ingola Schmitz (FDP).

Aber mit denen ins Gespräch zu kommen, die rechts denken, sprechen, wählen, sei einfacher gesagt als getan, bekannten die Parteipolitikerinnen.


Hausbesuche und Stände an Fußgängerzonen seien erfahrungsgemäß mit Barrieren für alle Beteiligten verbunden. Gefragt sind neue Formate, wie sie die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen (SPD) ausprobiert: Sie arbeitet hin und wieder tageweise in Betrieben mit, verbringt immer wieder Zeit mit Leuten aus Vereinen - und hört so das ein oder andere unmittelbar von der Basis.
Das ist aufwändig, aber ist erkenntnis- und hilfreich.

 

Auch die Aachener Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer (CDU) hat gute Erfahrungen mit dem Nahkampf gemacht. Sie plädiert für stadtteilbezogene Information und Kontaktaufnahme: Was ist vor Ort los, was muss getan werden, was wurde bereits erreicht? Kai Baumann, Landtagskandidat für die Piraten, ergänzte, die demokratischen Parteien müssten den Bürgerinnen und Bürgern klar machen: Wir nehmen Eure Sorgen ernst, wir hören Eure Fragen, niemand wird zurückgelassen.

Die Landtagsabgeordnete Karin Schmitt-Promny (Bündnis 90/Die Grünen) drehte den Spieß kurzerhand um: Die Leute müssten auch verstärkt auf die Parteien zugehen. Ein Plädoyer, dem sich Annette Diesler von der kfd und Sibylle Keupen vom Frauennetzwerk gerne anschlossen. Sie forderten die 200 Gäste in der Citykirche auf, jetzt damit zu beginnen und ab sofort verstärkt über die Fragen, die gemeinsam wichtig sind, mit Politik und Leuten zu reden. Um der Demokratie willen und für eine gute Zukunft, in der die Menschenwürde weiter das Primat der Politik ist.

 

Die Bildergalerie zur Veranstaltung finden Sie hier

 

 

 

 

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